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"United in Diversity" - Event zum Europatag
Nachbericht zu unserer Veranstaltung am Europatag 2019

Rund um das Motto der EU „United in Diversity“ wurde am Abend des Europatags am 9. Mai im SkyDome über ein vereintes Europa reflektiert und über aktuelle Entwicklungen, insbesondere hinsichtlich einer Europäischen Bürgerschaft ("european citizenship") und der Einstellungen der Jugend zu Europa, gesprochen.

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​ Vertrauen in die EU hat zugenommen

Sanja Hajdinjak von der Universität Wien präsentierte zu Beginn mit den Ergebnissen der „European Values Study“ ein tendenziell positives Bild zur EU-Bürgerschaft. Der Brexit habe die Einstellung zur EU stark beeinflusst und, so scheint es, in den Mitgliedsstaaten ein Gefühl der Verbundenheit mit der EU gestärkt. „Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Unterstützung der EU-Mitgliedschaft und das Vertrauen in die EU zugenommen haben – trotz der großen Krisen, die Europa und Österreich in den letzten zehn Jahren erschüttert haben. Mit Blick auf die Zukunft der EU kann die Unterstützung und das Vertrauen in die EU weiter gestärkt werden, sofern mögliche Krisen gemeinsam bewältigt werden,“ so Hajdinjak.

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Die Jugend zur aktiven EU-Bürgerschaft anregen

„Europa ist das, was wir daraus machen“​​

Anschließend fanden parallel zwei unterschiedliche Workshops statt, die beide im Rahmen des noch bis zur Europa-Wahl laufenden EU-Projekts „Active Citizens Living European Values“ (ACLEV) von geschulten freiwilligen TrainerInnen des Bildungsprogramms „Coloured Glasses“ von YFU Austria durchgeführt wurden. Diese Workshops bieten insbesondere jungen Wahlberechtigten die Möglichkeit, sich kritisch mit den Zielen, Handlungen und Werten der EU auseinanderzusetzen – mit dem Ziel zu einer aktiven Bürgerschaft anzuregen und das Gemeinschaftsgefühl in der EU zu reflektieren.

Im Workshop zum „European Project Tree“ wurden die TeilnehmerInnen dazu angeregt, in der Gruppe ihr Wissen über die Institutionen, Werte, Freiheiten und Rechte der Europäischen Union auszutauschen. Sie reflektierten dabei den Aufbau der Europäischen Union, sowie das Gefühl der Einheit innerhalb der Europäischen Union in einem sicheren Rahmen und entwickelten dabei ein Bewusstsein für Ihre eigene Rolle als aktive BürgerInnen.

Bei dem zweiten Workshop zum Thema „European Circle of Society“ wurde im sicheren Rahmen einer Simulation mit Hilfe eines Rollenspiels die Schwierigkeit vor Augen geführt, ein Gefühl der Einheit in einer Union zu leben, in der BürgerInnen aus 28 (bzw. 27 nach Brexit) Mitgliedstaaten mit unterschiedlichen historischen und kulturellen Hintergründen zusammentreffen. Im Anschluss wurde diskutiert, was man als aktive EU-BürgerIn zu einem besseren Zusammenhalt in dieser Gemeinschaft beitragen könnte.

Mit einer kurzen künstlerischen Einlage präsentierten SchülerInnen der HTL1 Linz daraufhin ihr Projekt zum Thema Europa, bei dem sie mit selbst gestalteten Taschen zu dem Titel „Europa ist das, was wir daraus machen“ und kurzen Poetry Slams zum Thema „Europa ist ein Gefühl...“ die Botschaft vertraten, dass Europa aktiv gestaltet werden muss.

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Eine Zukunft ohne gemeinsames Europa ist nicht vorstellbar

Im Rahmen einer anschließenden Podiumsdiskussion wurde weiter das Gemeinschaftsgefühl innerhalb Europas diskutiert. „Viele definieren den Begriff Heimat als grenzübergreifendes Gefühl. Das macht Hoffnung.“ sagt Heidi Schrodt von der Initiative „Bildung Grenzenlos“, und fügt hinzu, dass es zwar an Unterrichtsmaterialien in den Schulen nicht mangelt, aber dennoch die Frage zu stellen ist, ob unsere Schulen gut für die Heranbildung mündiger EU-BürgerInnen gerüstet sind.

Katharina Koller vom Institut für Jugendkulturforschung weiß zu berichten, dass sich bei der Generation Y wie auch bei der Generation 60+ das Europabild als ambivalent und vielseitig zeigt: „Sinnlose Regulierungen, Frieden und Wohlstand, Risiken, Krisenszenarien, Möglichkeiten des Reisens, berufliche Mobilität, Verschuldung, kultureller Austausch – all das ist Teil des Europabildes der ÖsterreicherInnen.“ Der Unterschied bei den Generationen bestehe allerdings darin, dass die Jungen ein Gefühl der Krise und Unsicherheit verspüren: verlassen noch weitere Staaten die EU, wird Europa auseinanderbrechen? Die SeniorInnen hingegen kritisieren die momentane Visionslosigkeit der politischen EntscheidungsträgerInnen, die für aktuelle gesellschaftliche Probleme keine Lösungen anzubieten wissen, sondern sich vor allen mit sinnlosen Reglementierungen beschäftigen. „Im Rahmen dessen sind sich jedoch sowohl die Generation Y als auch die Generation 60+ einig: eine Zukunft ohne gemeinsames Europa ist nicht vorstellbar; die Herausforderungen der Zukunft können nur zusammen gelöst werden,“ so Koller.

Dem stimmt auch Hannes Heissl vom Verein „Wir sind Europa“ zu: „Gerade diese Herausforderungen bringen eine verstärkte Identifikation mit der Europäischen Union gerade unter den jungen Menschen hervor, weil sie sehen, dass diese Probleme nur über den einzelnen Staat nicht gelöst werden können.“

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Medienberichte und das Bild über Europa

Auch der Einfluss der Medien auf das Europabild unserer Gesellschaft war Thema der Podiumsdiskussion. Katharine Sarikakis von der Universität Wien rückte die Relevanz der Medien in den Fokus: „Medienberichte erlauben oder behindern, ein volles Bild über Europa zu schaffen, eine Vision aufzubauen und das Gefühl der Teilnahme und das Gefühl des sinnvollen Zweckes an Europa zu denken. Schlagzeilen machen es leichter möglich über die ‚anderen’ auf eine limitierte Art zu denken und sich eher auf Gefühle der Angst zu konzentrieren die auf Signalen der ‚Gefahr’ basieren. Diese Signale schaffen erfolgreiche Wahlen für kurzfristige politische Ziele aber sie dienen nicht zum Aufbau einer Zukunft,“ so Sarikakis. Dazu sei es nötig eine demokratische und inklusive Öffentlichkeit zu schaffen: „Obwohl sich zahlreiche Studien mit dem Thema beschäftigt haben, ob eine europäische Öffentlichkeit tatsächlich existiert, ist meiner Meinung nach eine europäische Öffentlichkeit bereits vorhanden, nur nicht auf eine Art, die zur bedeutsamen langfristigen Integrationspolitik beiträgt. Dazu sind die Medien zu sehr auf das eng definierte ’nationale’ und auf die Eliten fokussiert.“

Europa braucht "active citizens"

Zum Abschluss betonte Lisa Stepanek, die als ehemalige YFU-Austauschschülerin und jetzige Ehrenamtliche des YFU-Bildungsprogramms „Coloured Glasses“ als Teilnehmerin am Podium saß, wie wichtig es ist an Schulen zu gehen und auch Jugendliche, die sich nicht schon von Haus aus durch ihr Umfeld mit den Themen Identität, Kultur und Stereotypen beschäftigen, diese Themen näherzubringen, und sieht in den „Coloured Glasses“ Toleranz-Workshops, für die sie selbst ehrenamtliche Trainerin ist, einen guten Weg.

Die Conclusio von Elfriede Schachner, National Director von YFU Austria und Moderatorin der Veranstaltung, fasste die Inhalte des Abends zusammen: „Die heutige Veranstaltung zum Europatag zeigt auf, wie wichtig es ist, junge Menschen zu ermutigen und dabei zu unterstützen, zu verantwortungsbewussten und engagierten BürgerInnen zu werden. Die bevorstehende Wahl des Europäischen Parlaments ist ein guter Anlass, um zum „active citizen“ zu werden und die Stimme für Demokratie und Frieden in Europa abzugeben.“

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Vielen Dank allen Teilnehmenden und Veranstaltungspartnern für einen spannenden Abend am Europatag 2019!

Mehr Informationen zu dem "Coloured Glasses" Bildungsprogramm von YFU Austria:

Coloured Glasses

Fotos (C) Lukas Achleitner / YFU Austria