Mate und BBQ
Anna

Mate und BBQ

Weihnachten ohne Schnee

Siesta, Weihnachten ohne Schnee, Ostern mit Riesenschokoeiern und Karten spielen. Ein Austauschjahr in Argentinien.
YFU Austria:

Welcher Erinnerung kommt dir als erste in den Sinn, wenn du an deine Gastfamilie denkst?

Anna:

Das Ferienhäuschen am nahe gelegenen Stausee und die samstäglichen Asados (unendlich lange BBQs mit Rindfleisch) mit der ganzen Großfamilie.

Landschaft in Argentinien
YFU Austria:

Verrate uns mehr über deine Gastfamilie! Wie können wir uns deineGastfamilie vorstellen?

Anna:

Mutter und Vater waren getrennt. Ich hatte drei Gastschwestern, zwei ältere und eine jüngere. Des weiteren hatte ich einen Hund. Im Haushalt des Vaters lebten auch noch seine Freundin und deren Sohn.

YFU Austria:

Welche Aktivitäten des Alltags hast du gemeinsam mit deiner Gastfamilie unternommen? Kannst du uns davon erzählen?

Anna:

Meine Gastmutter ist eine begeisterte und gute Köchin, mit ihr habe ich viel gekocht. Manchmal habe auch ich österreichisches Essen zubereitet.
Eine typisch argentinische Nachmittagsbeschäftigung ist Mate trinken. Meist waren Freunde anwesend, wir sind gemeinsam am Pool gesessen und haben Mate (eine Art Tee) getrunken.
Karten gespielt haben wir auch oft. Es gibt seehr viele Kartenspiele in Argentinien; das beliebteste ist Truco.

YFU Austria:

Was kommt dir als erstes in den Sinn, wenn du an deine Gasteltern denkst? Welche Unterschiede hast du im Verhältnis zwischen Eltern und Kindern in deinem Gastland kennengelernt, wenn du es mit Österreich vergleichst? Kannst du das mit einem Beispiel erläutern, das du selbst erlebt hast?

Anna:

Die Eltern sind sehr viel beschützender, vor allem Väter gegenüber ihren Töchtern. Zum Beispiel die Erlaubnis, nach einer Party bei einer Freundin zu übernachten, ist selten.
Es ist üblich, die Mahlzeiten immer zu Hause einzunehmen; nicht wie in Österreich, wo man sich etwa ab und zu einen Imbiss kauft und dann später daheim isst. Zu Mittag sind immer alle Familienmitglieder anwesend.
Auch ist die Vorbildwirkung stärker. Viele Mädchen wollen genauso sein wie ihre Mütter, ohne manche Dinge zu hinterfragen. Es ist nicht unüblich, dass auch eine 17-Jährige mal im Bett der Mutter übernachtet, nicht einmal den Herd einschalten kann oder eine Jeans waschen, weil das sonst immer die Mama für sie erledigt.

YFU Austria:

Hattest du Gastgeschwister? Erzähle uns doch davon, wie du das Zusammenleben mit ihnen bzw. ohne Geschwister erlebt hast!

Anna:

Meine Gastschwestern waren mir anfangs eine sehr große Stütze. Ich konnte durch sie schnell neue Leute kennen lernen. Ich glaube, es ist wichtig, dass man von Anfang an mit Jugendlichen im Gastland Kontakt hat und Gastgeschwister helfen da natürlich sehr.

YFU Austria:

War für dich schwer in der Familie zu integrieren? Was hast du getan, um das Vertrauen und Zuneigung deiner Familie zu erhalten?

Anna:

Argentinier sind grundsätzlich sehr offene Menschen. Es ist leicht, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.
Vertrauen und Zuneigung gewinnen ist natürlich schwer. Ich habe mich so gut es geht immer an die vorgegebenen Regeln gehalten und versucht, meiner Gastfamilie in schwierigen Situationen eine Stütze zu sein. Des weitern habe mich immer versucht, mich in die Unterhaltungen bei Tisch einzubringen und denke, dass ich dabei erfolgreich war.

YFU Austria:

Was ist die schönste Erinnerung, die du an das Leben mit deiner Gastfamilie hast?

Anna:

Heiligabend und das Essen, dass wir vorher alle gemeinsam gekocht haben.

YFU Austria:

Jedes Land und jede Familie haben ihre eigene Traditionen. An welche Tradition oder an welches Fest kannst du dich ganz besonders erinnern und warum?

Anna:

An den 25. Mai, den Tag der ersten argentinischen Regierung. Ich habe gemeinsam mit meiner Gastschwester und meinem Gastpapa Folkore auf einem großen Fest getanzt.
An Ostern bekommt man, ähnlich wie in Spanien, große Eier aus Schokolade geschenkt.
Weihnachten ist etwas ungewohnt für Europäer, sind wir doch Kälte und Schnee gewohnt. Nach der Bescherung gibt es immer ein großes Feuerwerk und danach geht man gemeinsam mit Freunden Weihnachten feiern.

YFU Austria:

Welche Gefühle hattest du, deine Gastfamilie zu verlassen und nach Österreich zurückzukehren ?

Anna:

Der Abschied war recht schwer für mich. Es fühlte sich sehr unnatürlich an, nach einem Jahr wieder nach Österreich zu fliegen. Beim Abschied habe ich fast den Bus verpasst, weil ich noch alle umarmen musste.

YFU Austria:

Viele Austauschschüler sagen, dass sie die Erlebnisse bei der Rückkehr in ihr Heimatland wie ein zweites Austauschjahr erlebt haben. Sie sagen, dass sie sich an viele Dinge wieder neu gewöhnen mussten und neu hinzu- sowie liebgewonnene Verhaltensweisen wieder ablegen mussten. Was fällt dir zu diesem Thema ein?

Anna:

Die Argentinier halten täglich ihre Siesta tun das täglich, in Österreich wird man dafür als faul bezeichnet.
Mate schmeckt meiner Erfahrung nach nur wenigen Österreichern. Außerdem ist es schwer, Yerba (das "Teekraut") zu kaufen und es ist sehr teuer.
Schuluniform. Eine der besten Eigenheiten des argentinischen Schulsystems.

Bei der Rückkehr nach Österreich sind mir sehr viele Dinge des alltäglichen Lebens aufgefallen. Etwa, dass kaum jemand in Österreich Gasherde besitzt aber dafür Geschirrspüler; oder dass wir sehr viel korrekter sind und viel Wert auf "Bitte" und "Danke" legen.

YFU Austria:

Du hast jetzt dein Austauschjahr mit seinen Herausforderungen, Erfahrungen und persönlichen Veränderungen hinter dir. Welche Ratschläge kannst du zukünftigen Austauschschülern mit auf den Weg geben, damit sie schnell in den Alltag und das Familienleben ihrer neuen Familie hineinfinden und sich deren Vertrauen und Zuneigung erwerben?

Anna:

Nie zu viel erwarten. Gastfamilien sind keine Tourismusagentur und auch kein Taxiunternehmen. Immer fragen, ob Hilfe benötigt wird, sei es im Haushalt oder sonst wo und nicht jedes "nein" heißt auch wirklich "nein".
Politische Themen immer vermeiden, auch wenn man komplett anderer Ansicht ist. Argentinier kritisieren immer die Regierung für die schlechte Wirtschaftslage. Kritisiert ein Ausländer, wird das nie gerne gesehen.